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Familie Twigg und die
unbegrenzten Möglichkeiten des Optimismus
von Theresia de Jong
Neuenburg.
„In Deutschland unmöglich“, heißt es oft, wenn Geschichten aus
den USA über abenteuerliche Firmengründungen in der Presse
stehen. Alan Twigg hingegen hat das Motto: „Unmöglich sage ich
nicht gern!“ und ist mit dieser Einstellung auch in Deutschland
gut gefahren. Alan Twigg ist Engländer und hat vor einigen
Jahren „Twigg’s Translations“, einen Übersetzungsservice im
Internet, gegründet. Der läuft inzwischen so gut – mit Kunden
wie Lufthansa, Hugo Boss, Deutsche Bank, Messe Düsseldorf – ,
dass er längst sein Betätigungsfeld erweitert hat. Wie aber
kommt ein Engländer dazu, in Deutschland ein Übersetzungsbüro zu
gründen? Es war ein Pfeil des Liebesgottes Amor, der Alan
Twiggs Leben von Grund auf verändern sollte. Im Urlaub auf
Teneriffa 1994 lernte er seine heutige Frau Susanne kennen, und
– zielstrebig wie er ist – verkaufte er bereits ein Jahr später
seine kleine Transport-Agentur in England und zog zu seiner
Traumfrau nach Osnabrück. „Ich kam da an mit einem riesigen
Koffer und ein paar Reisetaschen,“ erinnert er sich mit einem
verschmitzten Lächeln. Nun hieß es mit Elan Deutsch zu lernen.
Als LKW-Fahrer bei Mannesmann hatte er dazu Gelegenheit: in
seinem Truck lief den gesamten Tag Info-Radio. „Das ist die
beste Sprachschule, die man sich denken kann,“ sagt er
rückblickend. Dann aber löste die Firma den Standort Osnabrück
auf und Alan Twigg wurde arbeitslos. Mit seiner optimistischen
Lebenseinstellung beschloss er darin eine Chance zu sehen. Zum
Beispiel, um sich wieder selbstständig zu machen.
Gemeinsam mit
seiner Frau überlegte er, welchen Service er anbieten könnte, um
seine Fähigkeiten zu nutzen. Die Idee vom Übersetzungsservice
kam recht rasch, denn Alan Twigg hatte erlebt, dass die
Englischkenntnisse in vielen mittleren Unternehmen durchaus eine
kleine professionelle Unterstützung gebrauchen konnten.
Insbesondere im Zeitalter der Globalisierung müssen
Produktinformationen oder Firmenbroschüren eben auch in Englisch
verfasst werden. So kaufte er sich einen Computer, lernte wie
man eine Homepage bastelt, übte Blindschreiben auf der Tastatur
und bot einen Übersetzungs-Service - meist vom Deutschen ins
Englische - im Internet an: „Twiggs Translations“ war geboren.
Erste Kunden
kamen,
aber recht bald merkte der rührige Engländer, dass eine Homepage
ins gigantische Netz zu stellen, allein nicht ausreicht, um
wirklich viele Kunden zu erreichen. „Man muß auch gefunden
werden,“ stellte er fest. Was also lag näher, als sich auch
darum zu kümmern. Die Suchmaschinen Optimierung ist inzwischen
zu einer zweiten Firma avanciert, die hauptsächlich seine Frau
Susanne betreibt. Unter www.finding-tom.de kann man nachlesen,
was getan werden kann, um im gigantischen, weltweiten Angebot
nicht unter zu gehen. „Denn was hilft es mir eine Homepage zu
haben, wenn die Leute mich schon kennen müssen, um überhaupt auf
mich aufmerksam zu werden. Eigentlich soll es doch so sein, dass
meine Homepage mir hilft, neue Kunden zu bekommen.“ Es ist eine
besondere Kunst, die eigene Seite so zu verlinken, dass sie bei
einer entsprechenden Suchanfrage bei den Suchmaschinen bereits
auf der ersten oder zweiten Seite auftaucht, denn „weiter
schauen die meisten Leute einfach nicht.“ Wer also erst auf
Seite 10 oder zwölf oder noch weiter hinten gelistet ist, wird
erst gar nicht zur Kenntnis genommen. „Dann hätte man sich das
Geld für die Homepage-Erstellung besser sparen können,“ meint
Alan Twigg. Durch Erfahrung weiß er, wie man Homepages „nach
vorne“ bringt. „Das ist so, wie vorne auf den Gelben Seiten zu
sein. Die Suchmaschinen-Optimierung ist ein Geschäft mit
Zukunft,“ ist er überzeugt. „Denn durch das Internet wird sich
unser gesamtes Verkaufssystem ändern. Ohne Online-Unterstützung
wird es immer schwieriger werden.“ Umgekehrt stecken gerade für
kleine - und sogar nur regional tätige - Firmen im Internet
ungeahnte Möglichkeiten. „Da können es kleine Anbieter mit
Multies aufnehmen,“ gerät Alan Twigg ins Schwärmen, denn er weiß
von den Vorzügen kleiner flexibler Strukturen. Alan Twigg wäre
nicht Alan Twigg, wenn er nicht auch diese Erfahrung weitergeben
würde. Er hat ein
Hörbuch ins
Netz gestellt, in dem er Tricks und die ungeahnten Möglichkeiten
der Suchmaschinen Optimierung weitergibt.
Seit vier
Jahren wohnen die Twiggs im friesischen Neuenburg: „Wir
brauchten ein größeres Haus, nicht zuletzt wegen des Büros. Auf
einen Ort waren wir nicht festgelegt, denn unsere Arbeit
verläuft ja ausschließlich über den Computer, da spielt es dann
keine Rolle mehr, wo der Schreibtisch steht. Wir wollten gerne
an die Küste und frische Luft schnuppern. Im Internet – wo auch
sonst – wurden wir fündig. Das Haus in Neuenburg entsprach genau
unseren Vorstellungen. Wir haben es besichtigt und sagten noch
am selben Tag zu. Die Verkäufer konnten es gar nicht glauben,“
erzählt Susanne Twigg. Ein Spaziergang durch den Ort mit der
schönen Schlossanlage und nicht zuletzt die besondere Atmosphäre
im Urwald hatte die Familie sofort überzeugt. Ihren Job als
Justizangestellte bei der Staatsanwaltschaft in Osnabrück hatte
Susanne Twigg schon einige Zeit zuvor aufgegeben. „Damals
konnten meine Bekannten nicht verstehen, wie ich einen so
sicheren Job im öffentlichen Dienst gegen die relative
Unsicherheit einer neu gegründeten Firma eintauschen konnte. Ich
habe es nie bereut und könnte mir inzwischen gar nicht
vorstellen wieder einen Job von 9 bis 5 zu haben.“ Die
ehemaligen Kollegen treffen sich übrigens einmal pro Jahr bei
Twiggs in Neuenburg zum Grillen und sind jetzt auch überzeugt,
dass sich Susannes Mut durchaus gelohnt hat. Die
Übersetzungsfirma ist längst fest etabliert und beschäftigt
freiberufliche Übersetzter u.a. aus Kanada, Australien und
England. Sie haben auch für die UNESCO übersetzt und sind
Stamm-Übersetzer eines Verlags, der zweisprachige Magazine für
Luxus-Güter herausgibt.
„Es ist
wirklich egal, wo man lebt. Früher mußte jemand, der eine große
Karriere anstrebte, in Städte ziehen. Das ist nicht mehr
nötig. Wir sind an einem Zeitpunkt, wo sich alles verändert.
Durch das Internet gibt es keine abgelegenen Gebiete mehr. Das
ist sicherlich für alle Ostfriesen auch ein Grund zur Freude,“
meint Alan Twigg und ist ebenfalls froh, jetzt in einer Gegend
mit hohem Freizeitwert zu leben. Geboren und aufgewachsen in
Sheffield, einer Industriestadt in Englands Norden mit hoher
Arbeitslosigkeit und wenig Perspektiven für Jugendliche, weiß er
wovon er spricht.
Inzwischen
hat Alan Twigg noch einen
Hörspiel-Verlag
gegründet: Playtime Books.
Können Sie
sich vorstellen, was passieren würde, wenn Ihre kleine Tochter
ein Stück vom Mond ausgerechnet in Ihrem Garten finden würde?
Das ist nämlich den Eltern von Marie passiert und – natürlich –
handelt es sich hierbei „nur“ um eine Geschichte. Eine schöne
Geschichte übrigens und nur eine von 14 Geschichten, die Susanne
und Alan Twigg gerade als Hörbücher veröffentlicht haben.
„Kinder können viel leichter eine Fremdsprache erlernen als
Erwachsene. Kinder, die frühzeitig englischsprachiges
Hörmaterial angeboten bekommen, entwickeln viel leichter ein
"Ohr" für die englische Sprache. Aus diesem Grund haben wir
beschlossen, unsere
Hörbücher zweisprachig anzubieten. So könnte ein Kind
beispielsweise zunächst eine Erzählung in Deutsch anhören und
später, wenn es den Inhalt der Geschichte bereits kennt, auf
Englisch. Dadurch werden die Geschichten natürlich noch
faszinierender, und nachdem das Kind bereits weiß, was in der
Geschichte passiert, ist es auch viel einfacher, der englischen
Geschichte zu folgen,“ erklärt Alan Twigg sein neues Erfolg
versprechendes Konzept. Die Geschichten sind für alle, die ihre
Kinder zweisprachig erziehen wollen, eine gute Hilfe. Die Twigg
Kinder – Lea (9 Jahre) und Tom (10 Jahre) - können beide
Varianten verstehen und haben alle Geschichten vorab
ausgetestet.
Die Idee
Kindergeschichten zu erstellen und vermarkten kam übrigens von
Alan Twiggs Mutter Ann, die in England wohnt, und schon immer
gerne Geschichten erzählt und geschrieben hat. Seit sie in
Rente ist, findet sie endlich die Zeit, sich dieser
Beschäftigung mit Hingabe zu widmen. Entstanden sind auf diese
Weise Geschichten wie: „Opa Grummel“, „Tom auf der
Roboter-Insel“, „Eine Sonnenblume für Lea“, „Rotes Männchen,
grünes Männchen“, und natürlich: „Der zerbrochene Mond“. Die
CDs sind im Internet bequem per Download verfügbar, können aber
auch Online bestellt werden (www.playtime-books.de). Gesprochen
werden die Geschichten von Susanne Twigg (deutsch) und Ann Twigg
(englisch). Was beiden viel Spaß gemacht hat.
Tom und Lea
sind es auch, die einigen Hauptakteuren der Kindergeschichten
ihren Namen gaben. Beziehungsweise es war Oma Ann, die den
Helden in den Geschichten mit den Namen ihrer Enkel versah. In
den letzten Sommerferien haben die beiden tüchtig mitgeholfen
und haben am laufenden Band CDs sortiert, verpackt und
gestapelt. Jetzt sind sie natürlich sehr gespannt, wie die
Geschichte bei anderen Kindern weltweit ankommen. Die Freunde
in Neuenburg jedenfalls, die alle Geschichten vorab „abnahmen“,
waren restlos begeistert. |