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Zurück: Hörbuch Download für Kinder MP3 Tom auf der Roboter-Insel
Tom wartete darauf, dass die nächste Welle ans Ufer kam. Weit weg konnte er eine große Welle sehen, die immer näher kam. Er hob noch einen Stock auf. Gleich würde er den letzten Stock für Flecki werfen, und dann musste er wohl gehen. „Da kommt sie“, rief er Flecki zu, „Mach dich fertig, sie ist groß.“ Die Welle donnerte heran. Tom holte mit dem Arm aus und warf mit aller Kraft, doch die Welle war so groß, dass sie ihn wegspülte und mit sich aufs Meer trug. So sehr er es auch versuchte, er schaffte es nicht zurück. Er hatte Wasser in den Augen und in den Ohren, und obwohl er ein guter Schwimmer war und sich anstrengte, zurückzuschwimmen, wurde er von der Welle nur noch weiter weggetragen. Vor sich sah er Flecki, wie er auf- und abtauchte und auch nicht zurückkonnte, aber immer noch den Stock festhielt, den Tom geworfen hatte. Bald war Tom an seiner Seite und schaffte es, ein Ende vom Stock zu fassen, und so ritten sie beide zusammen auf der Welle. Die Welle trug sie immer weiter und weiter vom Strand weg. Tom fror und hatte Angst. Er wusste, dass er den Stock festhalten musste und nicht von der Welle hinuntergleiten durfte, sonst würde er im Meer ertrinken. Es fing an dunkel zu werden, und Tom wusste nicht, wie lange er sich wohl noch festhalten konnte. Es kam ihm vor, als würde er den Stock schon seit Ewigkeiten festhalten, und seine Finger fühlten sich langsam taub an. Er wusste nicht, ob Flecki noch am Leben war, und traute sich nicht, neben sich zu gucken, um ja nicht von der Welle hinunterzufallen. Plötzlich, gerade als Tom merkte, wie seine Finger den Halt verloren, schien die Welle noch höher zu werden und hob Tom und seinen Hund hoch in die Luft. Es war, als würde er fliegen, und im nächsten Augenblick befand er sich wieder am Strand mit Flecki neben sich. Erleichtert kuschelten sie sich zusammen und schliefen beide rasch ein. Am nächsten Morgen wachte Tom auf, rieb sich die Augen und sah sich um. Er verstand nicht, warum er am Strand lag. Er sprang schnell auf. Er musste eingeschlafen sein und hatte davon geträumt, ins Meer gespült zu werden. Seine Mutter würde sehr böse auf ihn sein, sie wartete ja auf ihn, um nach Hause zu fahren. Er wusste, dass er in große Schwierigkeiten kommen würde. Er blickte sich nach Flecki um, doch der war nicht da. Wahrscheinlich war er ohne ihn weggelaufen. Tom lief in die Richtung, wo seine Mutter das Auto geparkt hatte, aber da merkte er plötzlich, dass er in einer falschen Gegend vom Strand war. Es musste weiter in die andere Richtung sein. Er drehte sich um und fing an, in die andere Richtung zu laufen. Wo war das Auto? Er blieb stehen und sah sich um. Anscheinend war es wieder nicht die richtige Gegend. Wo war er bloß? Sorgfältig sah er sich an, wo er sich befand. Wo waren die ganzen Liegestühle, wo waren die Eisverkaufswagen und wo all die Kinder? Es war auch niemand zu sehen, den er fragen konnte. Alles, was er sehen konnte, waren Palmen, an die er sich irgendwie nicht erinnern konnte. Er blickte aufs Meer hinaus und konnte auch keine Boote sehen. Er ging noch ein Stück weiter in die Richtung, wo anscheinend noch mehr Palmen am Strand standen. Keine Straße, keine Autos, keine Menschen, keine Häuser, er hörte nichts bis auf das Rauschen des Meeres. Während er dort stand und sich umsah, dämmerte Tom ganz langsam, dass er der einzige Mensch hier war. Er war ganz allein auf einer einsamen Insel. Er rief nach Flecki, aber auch er war nicht da. Was sollte er jetzt nur machen. Er hatte großen Hunger und Durst, aber vor allem hatte er große Angst. Was war das? Er meinte, ein Geräusch gehört zu haben. Ja, er war sich sicher, ganz weit weg in der Ferne hörte er einen Hund bellen. Da, schon wieder. „Das ist Flecki, ich bin sicher, dass es Flecki ist“, dachte er. Er lief in die Richtung, aus der das Bellen kam. Es hörte sich sehr gedämpft an, als wäre es weit weg. Er war jetzt an allen Palmen vorbei- und auf eine Lichtung gelaufen, und direkt vor ihm sah er eine riesige Höhle, aus der das Bellen kam. „Flecki, Flecki, hierher“, rief Tom so laut er konnte, doch der Hund kam nicht zu ihm. Er rief wieder: „Flecki, Flecki, ich bin’s, Tom, hierher“, doch der Hund bellte einfach weiter. Das Bellen schien näher zu kommen. Er versuchte, in die Höhle zu blicken, aber alles, was er sah, war ein wenig Licht auf der anderen Seite. Er konnte nur eines tun, nämlich, in die Höhle zu gehen und Flecki herauszuholen. Ganz vorsichtig betrat er die Höhle. Sie schien sehr dunkel zu sein, doch er wusste, dass er am anderen Ende wieder hinaus konnte, wenn er zu dem Lichtflimmern ging. Der Boden unter seinen Füßen fühlte sich sehr weich an, daran merkte er, dass er auf Sand lief. Er ging weiter in die Höhle hinein, wobei er die ganze Zeit nach Flecki rief. Und da sah er ihn am anderen Ende. Es war Flecki. „Flecki, Flecki, hierher.“ Der kleine Hund rannte zu ihm herüber und freute sich so, Tom zu sehen, dass er ihm das ganze Gesicht abschleckte. Tom fühlte sich so, als wäre er gerade ohne Seife gründlich gewaschen worden. „Braver Hund.“ Tom knuddelte, streichelte und herzte ihn. Noch nie war er so froh gewesen, jemanden zu sehen. Flecki sprang auf und ab, und sein kleiner Schwanz wedelte wild hin und her. Beide liefen aufgeregt in der Höhle herum, so froh waren sie, einander wieder gefunden zu haben. Nach einer Weile hörte Tom auf, mit Flecki zu spielen, und blickte sich um. „Wir müssen hier weg, Flecki, wir müssen herausfinden, wo wir sind.“ Tom beugte sich hinab, um Flecki auf den Arm zu nehmen, doch dabei erblickte er etwas im Sand, was ihn vor Angst zittern ließ. Direkt vor ihm führten riesige Fußabdrücke aus der Höhle, die aber größer waren als alle, die er jemals gesehen hatte. Lebte etwa ein Monster in der Höhle oder ein großes Tier, das ihn vielleicht auffressen wollte? Jedenfalls würde er nicht hier bleiben, um das herauszufinden. Er drehte sich um, um den Weg zurückzugehen, auf dem er hierher gekommen war, doch gerade, als er fast wieder am Eingang der Höhle angekommen war, blieb er wie versteinert stehen. Er konnte sich nicht bewegen, er traute sich noch nicht mal zu atmen, denn direkt vor seinen Augen waren zwei große, glänzende Beine aus Metall, die über Tom emporragten. Er konnte nicht erkennen, was darüber war, und hatte solche Angst, dass er sich auch nicht traute, nach oben zu schauen. Tom fing an zu weinen, und Flecki fing an zu bellen. „Bitte bitte tu mir nichts, ich will zu Mama, ich habe Angst und weiß nicht, wo ich bin“, und große Tränen liefen Toms Gesicht hinunter. Er blickte hinunter auf die beiden riesigen Füße vor ihm, die ihm den Weg nach draußen versperrten. Er war in der Falle und konnte nicht entkommen. Plötzlich fingen die Füße an, sich zu bewegen, und was immer es auch war, es ging einfach aus der Höhle hinaus. Tom wartete. Sollte er sich trauen, aus der Höhle zu laufen, oder sollte er lieber wieder hineingehen und versuchen, auf der anderen Seite hinauszukommen. Doch bevor er es sich erst überlegen konnte, sprang Flecki von seinen Armen und rannte nach draußen. Tom folgte ihm, denn egal was passierte, er durfte ihn nicht allein lassen. Als er jedoch langsam aus der Höhle kroch, bekam er so einen Schreck, dass er glaubte zu träumen. In der Ferne war etwas, „nein, das konnte nicht sein, er bildete sich bestimmt alles nur ein“, etwas, das Kokosnüsse von den Palmen schlug. Tom rieb sich die Augen, aber er hatte Recht, es war ein Roboter. Ein großer Roboter aus Stahl. Er konnte sehen, wie er zwischen den Palmen umhertrampelte. Er konnte sehen, wie blitzende Lichter aus seinen Schuhen kamen und wie überall Funken sprühten, während er die Kokosnüsse herunterschlug. Er war so groß, dass er noch nicht einmal den Arm heben musste, um an sie heranzukommen. Der Roboter war genauso groß wie die Palmen. Tom versteckte sich hinter einem Busch und beobachtete ihn. Er hielt Flecki ganz fest. Er wollte nicht, dass er losrannte und dem Roboter zeigte, wo sie sich versteckten. Doch es war zu spät, der Roboter kam zurück. Was sollte Tom bloß tun? Ihm ging alles Mögliche durch den Kopf. Vielleicht hatte ihn der Roboter ja gar nicht gesehen. Vielleicht war er so groß, dass er nichts Kleines auf dem Boden erkennen konnte. Vielleicht würde er einfach nur in seine Höhle zurückkehren, und Tom würde wegrennen können. Doch nein, der Roboter kam näher und näher, und er trug ein paar Kokosnüsse. Tom fing wieder an zu weinen. Er hatte solche Angst, dass der Roboter einfach eines seiner großen Beine heben und ihn niedertrampeln würde oder vielleicht noch etwas viel Schlimmeres mit ihm machen würde. Tom hatte nie geglaubt, dass es Roboter wirklich gab. Er hatte gedacht, es gäbe sie nur in unheimlichen Filmen oder Geschichten. Dies hier war aber ein richtiger Roboter, und er hatte gesehen, wo er sich versteckte. Der Roboter kam, um ihn zu holen. Er versuchte, aus dem Busch zu entwischen, doch der Roboter fuhr mit seiner riesigen Hand in den Busch und versperrte ihm den Weg. Dann passierte etwas sehr Seltsames. Der Roboter sprach ihn an. „Nicht weinen, kleiner Junge, ich tue dir nichts, ich habe dir etwas zu essen gebracht. Ich möchte dein Freund sein.“ Dann schnitt der Roboter eine Kokosnuss in zwei Hälften und gab sie Tom. So etwas hatte Tom noch nie erlebt. Der Roboter hatte eine Säge in seinem Arm, die er zum Schneiden benutzen konnte. Außerdem hatte er noch weitere Werkzeuge in seinem Arm verstaut, einen Hammer, Messer, einen Schraubenschlüssel, und er hatte sogar Nägel. Er war für alles ausgerüstet. Tom hatte solchen Hunger, dass er die ganze Kokosnuss aufaß und die Milch aus der anderen Kokosnuss trank. Der Roboter versuchte, sich neben Tom zu setzen, aber dabei machte er so ein schepperndes Geräusch, dass Flecki Angst bekam und wegrannte. „Keine Sorge“, sagte der Roboter, „ich werde ihn Dir zurückholen, und dann kannst du mir erzählen, was du hier machst, weil das hier die Roboter-Insel ist und wir noch nie Besuch bekommen haben.“ Der Roboter stand auf und ging Flecki suchen. Roboter-Insel, was meinte er bloß damit? Es gab bestimmt nicht noch mehr Roboter hier. Tom fühlte sich jetzt etwas besser. Er wusste, dass der Roboter freundlich war und ihm nichts tun würde. Die Kokosnuss hatte ihm geschmeckt, und er hatte keinen Hunger mehr, aber er musste auf jeden Fall wieder zurück nach Hause. Wäre er doch bloß zum Auto gegangen, als seine Mutter nach ihm gerufen hatte. Er überlegte, wie die Welle ihn weggespült hatte und erkannte, dass sie ihn weit weg auf eine andere Insel getragen hatte und er vielleicht nie mehr nach Hause zurück konnte. Er blickte hoch und sah, wie der Roboter mit Flecki und etwas Fisch zurückkam. Dann warf der Roboter den Fisch in den Sand, und zu Toms Erstaunen kam eine Strahlenkanone aus seinem anderen Arm. Er richtete die Strahlenkanone auf den Fisch, und ein paar Sekunden später war der Fisch schon gekocht. Er warf ihn Flecki zu, und dann verschwand die Strahlenkanone wieder in seinem Arm. Tom fing an zu lächeln. Vielleicht würde das Leben auf der Roboter-Insel richtig lustig werden. Der Roboter setzte sich neben Tom. „Und nun, mein kleiner Junge, erzähle mir, was du hier machst, bist du gekommen, um mir bei der Arbeit des Professors zu helfen?“ Tom wusste nicht, was der Roboter meinte. Er erzählte dem Roboter alles darüber, wie er von einer gigantischen Welle weggerissen und auf diese Insel gespült worden war. Er erzählte dem Roboter, dass er Tom hieß, 10 Jahre alt war und weit weg auf einer anderen Insel wohnte, aber nicht wusste, wie er dorthin zurückkehren sollte. Der Roboter hörte ihm zu und stand dann auf. Er griff nach Toms Hand, und sie gingen zusammen zur Höhle zurück. Und wieder gingen sie in die Höhle hinein, wobei Flecki ihnen in kurzem Abstand folgte. Als sie am anderen Ende der Höhle ankamen, zeigte der Roboter auf eine weitere Höhle, die noch größer aussah. „Kommt mit, ich will euch etwas zeigen“, sagte er. Sie gingen in die große Höhle hinein. Was für ein Schreck! Tom wusste nicht, wo er zuerst hinsehen sollte. In der großen Höhle standen überall Flaschen mit blubbernder Flüssigkeit. Einige grün, einige rot, einige mit Rohren, aus denen Rauch kam. An einer anderen Wand waren viele, viele Regale voller Mikrochips und elektronischer Schaltungen, Buchsen und Schrauben, Laser, Augen, Arme, Beine, Füße, Kehlköpfe, eben mit allem, was man braucht, um einen Roboter zu bauen. An der Wand gegenüber standen Regale bis hoch zur Decke mit riesig großen Büchern, die alle mit Staub bedeckt waren, und mit etwas, das aussah wie ein alter Computer, der ebenfalls verstaubte. Tom zwickte sich selbst, um sicherzugehen, dass er nicht träumte. Nein, es war kein Traum. Er wandte sich dem Roboter zu. „Wer wohnt hier, wohnt hier der Professor, von dem du meintest, dass ich ihm helfen wollte? Wirst du mich zu ihm führen?“ Der Roboter sah Tom an und schüttelte den Kopf. „Der Professor ist weg, ich weiß nicht, wo er ist. Eines Tages vor sehr langer Zeit ging er spazieren und kam nie wieder zurück. Ich suche jeden Tag nach ihm und kann ihn nicht finden. Er hat nie die Arbeit vollendet, für die er hierher gekommen war.“ Tom hörte dem Roboter zu, wie er ihm erzählte, dass er von einem verrückten Professor gebaut worden war, der einen Roboter herstellen wollte, aber den alle auslachten und ihm sagten, er sei verrückt. Und so war er auf diese einsame Insel gekommen, um alleine zu sein und einen Roboter zu bauen, ohne dass jemand ihn dabei störte. Der Roboter sagte, dass der Professor ihn gebaut hatte, dass er komplett war und alles tun konnte. Dass er besondere Fähigkeiten hatte, die niemand sonst hatte, und dass er jede Sprache sprechen konnte und genau wusste, was Tom dachte. Der Roboter erzählte Tom, dass er niemandem jemals von dieser Insel erzählen durfte, weil die Arbeit noch lange nicht fertig war, und wenn irgend jemand das herausfinden würde, würde derjenige die ganzen Zeichnungen und Ideen des Professors stehlen und versuchen, ihn auseinander zu nehmen, um herauszufinden, wie er funktionierte. Er hatte besondere Fähigkeiten, die niemand sonst hatte, konnte jede Sprache sprechen und wusste genau, was Tom dachte, weil er Gedanken lesen konnte. Der Roboter erzählte Tom, dass er niemandem jemals von dieser Insel erzählen durfte, weil die Arbeit noch lange nicht fertig war, und wenn irgend jemand das herausfinden würde, würde derjenige die ganzen Zeichnungen und Ideen des Professors stehlen, und dann würde die Arbeit des Professors nie fertig werden. Tom war sehr aufgeregt. „Aber du bist doch fertig“, sagte er dem Roboter. „Deshalb ist der Professor nicht zurückgekommen.“ „Nein“, sagte der Roboter. „Die Arbeit ist überhaupt noch nicht fertig. Der Professor wollte nicht nur einen Roboter bauen, er wollte viele Roboter bauen und hier mit ihnen und niemand anderem sonst auf der Insel leben. Ich habe versucht, die Arbeit des Professors fortzuführen, bis er zurückkehrt, aber ich brauche jemanden, der mir dabei hilft. Du siehst aus, als wärst du ein netter Junge, könntest du mir helfen?“ „Ich könnte es versuchen“, sagte Tom. „Aber ich weiß nichts über Roboter, und ich kann auch nicht ewig auf dieser Insel bleiben.“ Der Roboter lachte. Es hörte sich lustig an, wie der Roboter lachte. Sein Lachen war so laut, dass Flecki wieder anfing zu bellen. „Wenn du mir hilfst, Tom, werde ich versuchen, dir zu helfen, von der Insel zu kommen und wieder nach Hause zu deiner Mutter und deinem Vater und zu all deinen Freunden zurückzukehren.“ Da war Tom sehr glücklich und sagte: „Ja, ich werde dir helfen, wenn ich kann, was soll ich denn tun?“ „Zuerst“, sagte der Roboter, „will ich, dass du mir einen Namen gibst. Ich mag deinen Namen, kann ich auch Tom heißen?“ Tom lachte. „Du bist lustig, nicht jeder heißt Tom, die Menschen haben ganz viele unterschiedliche Namen. Sogar Hunde und Katzen haben Namen. Ich finde, du solltest Zaaba heißen, weil Roboter andere Namen als Menschen haben sollten.“ „Barber, Barber, Barber.“ Der Roboter freute sich so, einen Namen zu haben, dass er ihn immer wieder sagte, doch er sagte den falschen Namen. „Hör zu“, sagte Tom. „Nicht Barber, sondern Zaaba, sag es noch mal langsam.“ „Zaaba, Zaaba, Zaaba“, und der Roboter ging umher und sagte den Namen ganz langsam, bis er ihn schließlich richtig aussprach und Tom in die Hände klatschte. „Genau, du heißt ab jetzt Zaaba, und du bist mein bester Freund.“ Und beide fingen an zu lachen. „Und jetzt“, sagte Zaaba, „werde ich dich zu den anderen Robotern führen.“ „Andere Roboter“, sagte Tom, und er bekam ein bisschen Angst. „Keine Angst“, sagte Zaaba. „Sie werden dir nichts tun, sie können nichts richtig machen, der Professor ist nie zurückgekehrt, um sie fertig zu bauen.“ Plötzlich hörten sie ein Geräusch und blickten sich um. Ein riesiger Vogel flog in die Höhle, größer als der größte Adler. Er schoss herab, und bevor Tom ihn aufhalten konnte, hatte er Flecki in die Luft gehoben und flog mit ihm davon. Da richtete Zaaba einen Arm auf den Vogel, und seine Strahlenkanone kam heraus. Wie ein Blitz betäubte die Strahlenkanone den Vogel. Er ließ Flecki fallen und fiel auf die Erde. Zaaba hob den Vogel auf und warf ihn aus der Höhle. Er wandte sich Tom zu. „Ich glaube, das wird er nicht noch mal versuchen“, sagte er. Tom lief zu Flecki hinüber, er war nicht verletzt, aber sehr durcheinander. Er fing an, in der Höhle herumzurennen und zu bellen. Tom versuchte, ihn aufzuhalten, doch Flecki war auf die Regale gesprungen, wo die bunten Flaschen standen. Als Tom nach ihm griff, fiel die Flasche mit der grünen Mischung um und ergoss sich auf Toms Hände und Beine. Es fühlte sich sehr klebrig und eiskalt an. Zaaba eilte herüber und hob Tom auf. Schnell nahm er ihn mit nach draußen und wusch ihn im Meer ab. Es war sehr schwierig, alles abzubekommen, weil es so klebrig war. Tom merkte, wie ein komisches, kribbelndes Gefühl seine Beine hochkroch. Zaaba sagte ihm, es sei wichtig, dass er die ganze Mischung abwusch, da es eine spezielle Mischung war, die Robotern ihre Fähigkeiten verlieh. Nachdem Zaaba die ganze Mischung von Tom abgewaschen hatte, führte er ihn auf der anderen Seite der Höhle herum. Tom bekam den größten Schreck seines Lebens. Da, direkt vor seinen Augen, waren überall Roboter. Einige waren nur teilweise fertig, ohne Arme oder Beine, andere waren einfach in Stapeln aufeinander geschichtet und begannen zu rosten, und einige gingen einfach umher und sagten lustige Dinge. Zaaba sagte, dass die umhergehenden Roboter fast fertig waren, aber dass bei ihnen noch die Kabel am Rücken angeschlossen werden mussten, doch seine Finger waren zu groß dafür. „Ich kann das, meine Finger sind ganz klein, ich kann die Kabel zusammenschließen“, sagte Tom und war ganz aufgeregt. „Ich werde ihnen sagen, dass du ihnen helfen kannst“, sagte Zaaba und ging zu ihnen hinüber. Tom konnte sehen, wie Zaaba mit den Robotern sprach, und sie blickten sich um, um zu sehen, wo Tom war. Zaaba kam zurück. „Sie sagen, dass sie, wenn du ihre Kabel zusammenschließen kannst, dann vielleicht richtig sprechen können und gerade laufen können, anstatt die ganze Zeit rückwärts zu laufen und zu sprechen.“ Tom fand das lustig und ging mit Zaaba mit, um zu sehen, was er tun konnte. Die Roboter wollten alle gleichzeitig repariert werden. Sie fingen an, sich gegenseitig wegzuschubsen, um zu Tom zu gelangen, doch für jeden Schritt, den sie vorwärts gingen, gingen sie wieder einen zurück. Außerdem sagten sie alle weiter lustige Sachen. Anstatt zu sagen „Ich will der Erste sein”, sagten sie alle immer wieder: „Ich will der Letzte sein, mach mich zum Schluss.“ Zaaba sagte: „Sie wollen eigentlich sagen, dass sie Erster sein wollen.“ Tom konnte nicht mehr aufhören zu lachen, es war alles so lustig. Zaaba sagte den Robotern, dass sie alle würden warten müssen, und weil Tom viel kleiner war als sie, würden sie sich hinsetzen müssen, damit er auch an die Kabel auf ihrem Rücken kam. Einer nach dem anderen kamen die Roboter zu ihm und setzen sich hin. Sie sagten alles verkehrt herum. „Palme die Achtung“, sagte einer. Zaaba sagte Tom, dass der Roboter in Wirklichkeit meinte: „Achtung die Palme“, weil er immer rückwärts gegen Palmen lief. Ein anderer sagte: „Schwimmen zum Tag schöner“ anstatt „Schöner Tag zum Schwimmen“, und wieder ein anderer rief: „Hose meine ist wo?“ anstatt „Wo ist meine Hose?“ Am lustigsten war der, der ständig fragte: „Aus sauber Zähne meine sehen?“ anstatt „Sehen meine Zähne sauber aus?“ und „Kämmen Haare die mir will ich“ anstatt „Ich will mir die Haare kämmen.“ Tom ging zum ersten Roboter und blickte in seinen Rücken hinein. Er konnte die Kabel sehen, sie mussten nur zusammengeschlossen werden. Es war ganz einfach. Er ging die ganze Reihe mit den Robotern ab und schloss alle Kabel zusammen, und als er damit fertig war, standen alle auf und gingen gerade in die richtige Richtung. Sie freuten sich so, dass sie gar nicht mehr aufhören wollten zu laufen. Immer wieder liefen sie den Strand rauf und runter. Rundherum in Kreisen, von einer Seite auf die andere, sie versuchten sogar, Handstand zu machen, aber natürlich konnten sie sich nicht oben halten, weil sie zu schwer dafür waren. „Schöner Tag zum Schwimmen“, sagte einer, der es diesmal richtig herum gesagt hatte, und ging geradeaus ins Meer. Aus seinen Beinen und Armen kam eine Menge Dampf, so dass er wieder zurückging, um wie sonst auch immer im Sand zu schwimmen. Tom hatte seine Arbeit getan, und nun war es Zeit für die Roboter, ihm zu helfen, von der Insel wegzukommen und nach Hause zurückzukehren. Am nächsten Tag sagte Zaaba zu Tom, dass der Professor, als er zum ersten Mal auf die Insel kam, mit dem Boot gekommen war, und er wusste auch, wo es war, allerdings war es ein langer Weg und es war unter Bäumen und Büschen versteckt, und Tom würde selber nicht durch den ganzen Dschungel hindurch können. Der einzige Weg, wie sie dorthin gelangen konnten, war, dass Tom auf Zaabas Schultern kletterte und Flecki auf dem Arm mitnahm. Zaaba beugte sich herab, und Tom und Flecki kletterten auf seine Schultern. Es war schwer, sich festzuhalten, weil Zaabas Körper hart und rutschig war, aber Tom schaffte es, sich an seinen Hals zu klammern. Als Zaaba aufstand, konnte Tom meilenweit sehen. Er war höher als die Bäume und fühlte sich, als könnte er den Himmel berühren. Er hielt sich gut fest, und sie machten sich auf den Weg auf die andere Seite der Insel, an die Stelle, wo sich das Boot des Professors befand. „Da ist es“, rief Tom, er konnte das Boot aus ziemlicher Entfernung erkennen. „Beeil dich, Zaaba, wir sind fast da.“ Doch als sie näher kamen, sah Tom, dass es zerbrochen war und ein großes Loch im Boden hatte. Es war zu nichts mehr nutze, er würde es nicht gebrauchen können. Zaaba beugte sich hinunter, und Tom sprang von seinen Schultern und lief den Strand hinunter, um sich das Boot anzusehen. Nein, es war ganz verrottet, und einige Teile waren abgebrochen. Er war so enttäuscht, was würde jetzt bloß mit ihm geschehen? Zaaba wusste, was Tom dachte, und sagte: „Nur Mut, wir können dir trotzdem helfen. Die Roboter sind alle deine Freunde, und wir könnten dir vielleicht zusammen ein Floß bauen, mit dem du nach Hause zurück kannst. Wir dürfen nicht aufgeben, komm, wir gehen zurück und fragen sie.“ Tom kletterte wieder mit Flecki auf Zaabas Schultern, und sie gingen los, um die anderen Roboter zu finden. Von hier aus war es ein langer Weg, und Flecki versuchte immer wieder, in die Äste zu beißen, als sie ihm ins Gesicht schlugen. Tom hatte Angst, hinunterzufallen, aber schließlich erreichten sie den Strand, auf dem die anderen Roboter waren. Die Roboter freuten sich so, dass sie geradeaus laufen konnten, dass sie immer noch den Strand rauf- und runterliefen, und sprechen konnten sie jetzt auch alle richtig. Als sie Zaaba und Tom erblickten, eilten sie über den Strand auf sie zu. „Danke, danke“, sagten sie immer wieder zu Tom, „es ist so schön, genau wie Zaaba gehen und sprechen zu können, wir freuen uns so, dass du auf unsere Insel gekommen bist.“ Zaaba begann den anderen Robotern zu erzählen, dass Tom nicht für immer auf der Insel bleiben konnte und zurück nach Hause auf eine andere entfernte Insel musste, um bei seiner Mutter, seinem Vater und allen seinen Freunden zu sein. Zaaba sagte den Robotern, dass Tom ein Floß würde bauen müssen, damit er zurücksegeln konnte, und fragte die Roboter, ob sie ihm dabei helfen könnten. „Ein Floß, was ist ein Floß?“ fragten sie und kratzten sich am Kopf. „Wir wissen nicht, was du meinst.“ Zaaba erklärte ihnen, dass ein Floß ein großes, viereckiges Holzstück mit einem Mast in der Mitte ist, der ein Segel trägt. Wenn man es aufs Meer setzte, würde der Wind es weit weg wehen, und Tom würde zurück nach Hause segeln können. Die Roboter hörten zu und sagten, dass sie ihm helfen wollten, aber dass sie es schade fanden, dass Tom nicht mit ihnen auf der Insel bleiben konnte. „OK“, sagte Zaaba. „Morgen kommt ihr alle in die Höhle des Professors, und wir fangen an, das Floß zu bauen.“ Tom war so aufgeregt, dass er in dieser Nacht kaum schlafen konnte. Immer wieder wachte er auf, um nachzuschauen, ob der Tag schon angebrochen war. Er konnte es kaum erwarten, mit dem Bau des Floßes zu beginnen. Als endlich der Morgen kam, ging Tom zusammen mit Zaaba Fische fangen, damit er etwas Gutes zum Frühstück hatte, bevor die anderen Roboter kamen. Tom sah zu, wie Zaaba seinen Arm mit der Strahlenkanone ins Meer richtete und sofort genügend Fische für Tom und Flecki gefangen hatte. Nachdem sie den Fisch gegessen hatten, war es Zeit, mit der Arbeit am Floß zu beginnen. Die anderen Roboter warteten schon an der Höhle, und Zaaba gab jedem eine Aufgabe. Zuerst mussten alle überprüfen, ob die Werkzeuge in ihren Armen in gutem Zustand waren. „Testet sie aus“, sagte er, und Tom beobachtete staunend, wie sie die Arme in der Luft umherbewegten. Aus ihren Ellenbogen blitzten Lichter, und aus ihren Ohren kam Rauch. Die Augen der Roboter leuchteten auf und wurden lila und rot, und sie drehten sich, bis überall Funken herumflogen. Alle gaben sie seltsame Geräusche von sich, und Flecki bekam solche Angst, dass er in die Höhle zurückrannte und sich versteckte. Jetzt gingen sie alle auf die Palmen zu. Tom sah überall Lichter und Blitze, als die Roboter ihre Sägen und Laserpistolen benutzten, um die Palmen zu fällen. „Das Floß muss aus Holz gebaut werden“, sagte Zaaba, und die Roboter liefen alle in die Höhle. Als sie hineinliefen, kam Flecki wieder herausgerannt, und sein Fell sträubte sich vor Furcht. Ein paar Minuten später kamen die Roboter zurück und trugen jeder ein Bein oder einen Arm aus den Regalen des Professors. „Wir haben Holz“, riefen sie. „Bauen wir das Floß!“ „Das ist doch kein Holz“, sagte Tom lachend. „Es sind Teile, aus denen andere Roboter gebaut werden, bringt sie zurück in die Höhle.“ Die Roboter taten, was Tom gesagt hatte. „Was ist Holz?“ fragten sie. „Das, was ihr gerade gefällt habt, das ist Holz“, sagte Tom, und sie fingen alle an zu lachen. Den ganzen Tag lang arbeiteten sie hart, bis schließlich das Floß fertig war. Es war ein großes Floß aus Palmenholz, mit einem Mast in der Mitte und einem Segel aus den großen Blättern. Nun war es bereit für Toms Reise zurück nach Hause. Am nächsten Morgen kamen die Roboter zu Tom und Flecki, um ihnen Lebewohl zu sagen. Sie brachten ihm ein paar Kokosnüsse, und Zaaba gab ihnen etwas Saft zum Trinken. Alle sahen zu, wie Tom am Meeresufer auf das Floß kletterte. Tom fand es schade, dass er all seine Roboter-Freunde verlassen musste, und versprach ihnen, dass er niemandem jemals etwas über sie erzählen würde, damit sie für immer auf ihrer geheimen Insel sicher waren. Die Roboter schubsten das Floß an, und Tom und Flecki fuhren ab. Sie hielten sich am Mast in der Mitte fest, und die Wellen spülten das Floß sanft von der Roboter-Insel weg. Tom konnte die Insel schon nicht mehr sehen. Er hatte gewunken und gewunken, bis die Roboter nur noch kleine Fleckchen waren und die Insel aus seinem Blickfeld verschwand. Alles, was er jetzt sehen konnte, waren die großen Wellen, die immer wieder gegen das Floß krachten. Er setzte sich hin, hielt Flecki fest und hoffte und betete, dass das Floß zurück an den Strand segeln würde, den er kannte. Immer weiter segelte das Floß. Der Wind begann jetzt sehr stark zu werden, und die See wurde rauer. Tom hielt sich ganz fest. Vielleicht würde er es nie zurück schaffen. Vielleicht würde er einfach ewig auf dem Meer weitersegeln, bis er starb. Schreckliche Gedanken gingen ihm immer wieder durch den Kopf. Er wünschte, er wäre bei den Robotern geblieben. Er überlegte, dass ein riesiger Wal oder Hai das Floß umdrehen und ihn auffressen könnte. Was, wenn der Wind das Floß umwehte und er im Meer ertrank? Er dachte an all die fürchterlichen Dinge, die ihm zustoßen könnten. Er schloss die Augen, um nicht mehr auf die riesigen Wellen zu starren. Er stellte sich vor, dass er auf einem Karussell fuhr und bald absteigen würde. Sollte er sich trauen, die Augen zu öffnen, um zu sehen, was passierte? Ja, er musste. So öffnete er ganz langsam wieder die Augen, und direkt vor ihm erblickte er einen Strand. Es war sein Strand, der Strand, den er kannte, der Strand, auf dem er in den Ferien die ganze Zeit mit Flecki gespielt hatte. Immer näher segelte er darauf zu. Er war so aufgeregt, dass er fast vom Floß fiel. „Flecki, Flecki, wir sind da. Wir haben es geschafft.“ Der Strand war nur noch ein paar Minuten entfernt, und Flecki bellte und sprang auf und ab. Er freute sich auch, wieder zurück zu sein. Plötzlich wehte ein mächtiger Windstoß das Floß gerade hoch und auf den Sand. Tom sprang mit Flecki ab, und im nächsten Augenblick war das Floß auch schon zurück aufs Meer geweht. Tom sah zu, wie es auf den Wellen tanzte. Dann lief er den Strand hinauf, wo seine Mutter auf ihn wartete. Sie freute sich so, ihn zu sehen, dass sie noch nicht einmal böse war. „Wo bist du bloß gewesen, ich habe überall nach dir gesucht“, sagte sie und umarmte ihn. „Es tut mir Leid, ich bin auf dem Strand einfach eingeschlafen“, sagte Tom. Er stieg mit Flecki ins Auto, und sie fuhren los zurück nach Hause. Er war jetzt richtig glücklich, dass er nach Hause fuhr, und wollte seiner Mutter am liebsten alles über die Roboter-Insel erzählen, doch er wusste, dass er sein Abenteuer für immer geheim halten musste. |