Zurück: Hörbuch Download für Kinder MP3
|
Alex und die Felsenzwerge 2 Es war nun schon einige Zeit her, dass Alex bei seiner Oma gewesen war und die Zwerge getroffen hatte, die unter dem großen Felsen im Wellental lebten. Jeden Tag dachte er daran, wie der große Felsen sich mitten in der Nacht in ein echtes Schiff verwandelte und auf dem Meer segelte. Er konnte es kaum erwarten, wieder zurückzukehren, sie alle wieder zu sehen und mit ihnen auf dem Schiff zu segeln. Immer wieder fragte er seine Mutter, wann er wieder zu seiner Oma fahren konnte, weil es ihm dort so gefallen hatte. Seine Mutter war ziemlich überrascht. Normalerweise, wenn Alex zu seiner Oma fuhr, vermisste er alle seine Freunde und freute sich jedes Mal, wenn er wieder nach Hause kam, doch nun drängelte er ständig, dass er wieder dorthin wollte. Natürlich kannte sie nicht den wirklichen Grund, warum er unbedingt wieder seine Oma besuchen wollte. Alex hatte niemandem von den Zwergen und dem magischen Felsen erzählt. Er hatte den Zwergen ja versprochen, dass er ihr Geheimnis bewahren würde, und daran hielt er sich. Niemand durfte jemals davon erfahren. Eines Tages, als Alex von der Schule wiederkam, hatte seine Mutter eine Überraschung für ihn. „Alex, möchtest du dieses Wochenende bei deiner Oma verbringen? Ich weiß doch, dass du es letztes Mal so schön fandest, und Oma hat gesagt, dass du ihr ja ein bisschen im Garten helfen kannst!“ Alex wurde ganz aufgeregt. Endlich würde er zum magischen Felsen zurückkehren und die Zwerge alle wiedersehen können. Er konnte es kaum erwarten, bis es endlich Freitag war. Sobald am Freitag die Schule vorbei war, kam seine Mutter ihn abholen, und sie machten sich auf den Weg zum Haus von Alex’ Oma. Der Weg war ziemlich lang, und als sie ankamen, hatte die Oma leckeren Kuchen für sie da. Sie freute sich sehr, dass Alex wieder da war, und nach dem Kuchenessen fragte Alex, ob er ein bisschen in das Wellental gehen durfte. „Ja, aber bleib nicht zu lange“, sagte seine Oma. „Es wird bald dunkel.“ Alex machte sich auf den Weg über die Felder ins Wellental. Als er näher kam, sah er den großen Felsen, der die Form eines Schiffes hatte und sich gegen all die anderen Felsen abzeichnete, weil er so riesig war. Er fing an, auf ihn zuzulaufen, denn er hatte nicht mehr viel Zeit, bevor es dunkel wurde, und er musste die Zwerge einfach sehen, bevor er zurückging. Doch als er näher kam, bekam Alex einen großen Schreck. Er konnte nicht mehr bis zu den Felsen gelangen. Rund um die Felsen waren große Zäune aufgestellt, und am Feldrand waren riesige Bulldozer und Zementmischer aufgereiht. Was war denn da los? Es sah fast so aus, als ob jemand das Wellental bebauen wollte. Er versuchte angestrengt, sich durch den Zaun zu zwängen, doch es hatte keinen Zweck, er konnte keine Öffnung finden, durch die er passte, und langsam wurde es dunkel. Er musste es morgen noch einmal versuchen. So schnell er konnte, rannte er zurück zu seiner Oma. Seine Mutter war gerade dabei, abzufahren. „Am Sonntag hole ich dich wieder ab, Alex!“ rief sie, und im nächsten Moment war das Auto auch schon weg. Alex stürzte ins Haus. „Oma, was ist denn im Wellental los, ich konnte gar nicht auf die Felsen, es ist alles abgezäunt?“ „Ach, das hatte ich ganz vergessen zu erzählen. Wenn du das nächste Mal kommst, werden die Felsen nicht mehr da sein. Es werden neue Häuser gebaut, und alle Felsen werden in die Luft gesprengt.“ „Wann?“ rief Alex. „Hm, ich glaube, am Montag, wenn du schon wieder zu Hause bist“, sagte seine Oma. „Alex, was ist denn los, du siehst so durcheinander aus?“ Alex war auch durcheinander. Was würde mit all den Zwergen geschehen, wenn der magische Felsen in die Luft gesprengt wurde, sie würden alle sterben. „Ach, ich habe einfach gerne auf den Felsen gespielt, es wird dann einfach nicht mehr so toll sein“, sagte Alex zu seiner Oma. „Keine Sorge, sicher fallen dir andere Sachen ein“, sagte seine Oma und ging zurück in die Küche. Alex setzte sich hin und war ganz bestürzt. Was sollte er jetzt tun? Er musste versuchen, die Zwerge zu retten, oder sie würden in die Luft gesprengt. Er überlegte und überlegte, bis er schließlich einen Plan hatte. Morgen würde er irgendwie durch den Zaun gelangen und in das Loch neben dem Felsen steigen und die Zwerge vor dem warnen, was passieren würde.
Am nächsten Tag nach dem Frühstück fragte Alex seine Oma, ob er wie beim
letzten Mal ein Picknick im Wellental machen konnte. Seine Oma packte
ihm viele leckere belegte Brote und Obst ein, und Alex machte sich
wieder auf den Weg zu dem großen Felsen. Dieses Mal, als er die
Abzäunung erreichte, entdeckte er eine kleine Lücke, die er gestern
Abend nicht bemerkt hatte, weil es schon zu dunkel gewesen war, und er
schaffte es, sich durchzuzwängen. Nun war er innerhalb der Umzäunung,
und niemand konnte ihn sehen. Er rannte an die Stelle, wo der große
Stein über dem Tunnel lag, rollte ihn rasch auf die Seite und sprang in
das Loch. Der Zwerg starrte Alex ganz ängstlich an und sagte: „Setz mich wieder auf den Boden, ich werde es den anderen erzählen müssen.“ Alex setzte den Zwerg wieder auf den Boden und beobachtete, wie er den anderen Zwergen über die neuen Häuser erzählte, die dort gebaut werden sollten, wo der magische Felsen stand, und über die Bauarbeiter, die am Montag Morgen alle Felsen in die Luft sprengen würden. Die Zwerge fingen an, umher zu rennen und sich gegenseitig anzuquieken. Alex merkte, dass sie alle sehr bestürzt waren. Alex stand auf, bereit, wieder das Loch hinaufzuklettern. Doch die anderen umringten ihn, und der Zwerg kletterte auf sein Bein, seinen Arm hinauf und auf Alex’ Schulter. Er flüsterte in Alex’ Ohr: „Du bist unser allerbester Freund, und wenn du heute Nacht wiederkommst, kannst du uns auf unserer allerletzten Reise auf dem magischen Felsen begleiten, wirst du kommen?“ „Ja“, sagte Alex und war sehr aufgeregt. „Ich komme heute Nacht wieder. Ihr seid meine allerbesten Freunde, und wir müssen uns einen Plan ausdenken, damit ihr alle von dem Felsen fliehen könnt, bevor er in die Luft gesprengt wird.“ Alex kroch durch den Tunnel zurück nach oben, rollte den großen Stein auf das Loch und rannte zurück zu seiner Oma. Er ging direkt in die Hütte, um die Taschenlampe zu holen, denn in dieser Nacht, wenn alle schliefen, würde er zum allerletzten Mal zurück zum großen Felsen gehen und mit den Zwergen segeln. Als Alex an diesem Abend ins Bett ging, legte er sich den Wecker unter das Kissen und ging mit allen Anziehsachen schlafen. Er war bereit für die kommende Nacht, denn dies war seine einzige Chance, dafür zu sorgen, dass seine kleinen Freunde in Sicherheit waren. Als der Wecker klingelte, machte Alex ihn schnell aus, zog seine Schuhe an und schlich im Licht der Taschenlampe die Treppe hinunter und hinaus durch die Tür in die Dunkelheit. Er war sehr aufgeregt, als er über die Felder rannte. Im Mondlicht konnte er den großen Felsen in der Entfernung sehen. Als er die Abzäunung rund um die Felsen erreichte, leuchtete er mit der Taschenlampe sorgfältig hin und her, bis er die Lücke fand, durch die er passte. Nachdem er sich durch die Lücke gezwängt hatte, sah er, dass auf der Spitze des großen Felsens Hunderte und Aberhunderte von Zwergen waren, die vor Aufregung auf- und abhüpften. Alex kletterte auf den Felsen, und alle rannten auf ihn zu und quiekten mit ihren kleinen Stimmchen und versuchten, ihm etwas mitzuteilen. „Es tut mir Leid, aber ich verstehe nicht, was ihr sagt, wenn ihr alle gleichzeitig redet“, sagte er ihnen. Er setzte sich hin, und einer der Zwerge rannte sein Bein hinauf, auf seinen Arm, weiter auf seine Schulter und flüsterte ihm ins Ohr: „Alex, wir haben einen Plan. Heute Nacht wird sich der Felsen zum allerletzten Mal in ein Schiff verwandeln, weil wir dann für immer fortsegeln werden. Wenn die Bauarbeiter am Montag kommen, um die Felsen in die Luft zu sprengen, werden wir schon fort sein. Wirst du mit uns kommen?“ Alex schüttelte den Kopf. „Ich will sehr gerne heute Nacht mit euch segeln, aber ich muss wieder nach Hause zu meiner Mutter und zu meinem Vater, meiner Oma und allen meinen Freunden in der Schule”, sagte Alex. Der Zwerg blickte sehr traurig, dann rannte er wieder Alex’ Arm hinunter, weiter über sein Bein und ging zu den anderen Zwergen hinüber, die schon auf hin warteten. Alex hörte ihre quiekenden Stimmchen, aber verstand nicht, was sie sagten. Nach einer Weile rannte der Zwerg wieder zurück auf Alex’ Schulter und flüsterte ihm ins Ohr: „Alex, weil du uns gerettet hast und so nett zu uns warst, kannst du, wenn der Felsen sich in ein Schiff verwandelt, mit uns auf dem Meer segeln, und wir bringen dich wieder zurück, bevor wir für immer davonsegeln.“ Dann rannte der Zwerg wieder zurück nach unten zu seinen Freunden. Alex fing an zu lachen. Er war so glücklich und aufgeregt zugleich. Er stand auf, als der Mond hinter den Wolken hervorkam und der große Felsen plötzlich in ein riesiges Segelschiff verwandelt wurde. Ganz, ganz langsam bemerkte Alex das sanfte Rollen des Schiffes von einer Seite auf die andere, und wieder hörte er die Geräusche des Meeres, als die Wellen gegen das Schiff schlugen. Die Zwerge schrien vor Begeisterung, als der Wind gegen die riesigen Segel blies und das Schiff auf und ab immer weiter hinaus aufs Meer getrieben wurde. Alex sah die Fahne am Mast mit dem Bild des magischen Felsens im Wind wehen, und auch er hüpfte vor Begeisterung auf und ab. Die ganze Nacht lang segelten sie immer weiter und weiter und kamen an anderen Booten vorbei, doch keines dieser Boote war wie das magische Schiff. Das magische Schiff war anders, weil es in Wirklichkeit ein Felsen mit Hunderten und Aberhunderten von Zwergen war, die auf ihm segelten, und die niemand sehen konnte. Als es auf dem tosenden Meer hin- und hergerissen wurde, mit den riesigen Segeln, die sich im Wind aufblähten und wie eine Fackel in der Dunkelheit leuchteten, sahen die Seefahrer auf den anderen Schiffen mit großem Erstaunen zu, als das riesige Schiff vorbeifuhr und dann für immer verschwunden war. Niemand wusste, woher es gekommen war und wohin es fuhr, nur die Zwerge wussten es.
Doch nur allzu bald war es für Alex Zeit zurückzukehren, und das magische Schiff steuerte wieder auf das Wellental zu. Als sie das Festland erreichten, verwandelte sich das Meer wieder in Gras und das Schiff in einen Felsen. Alex war sehr traurig, dass er sich nun von seinen kleinen Freunden verabschieden musste, doch als er von dem Felsen hinunterkletterte, rannten die Zwerge hinter ihm her. „Alex, warte, wir haben ein Geschenk für dich.“ Alex hielt an, und zu seinem Erstaunen sah er, dass die Fahne vom Schiff mit dem Bild des Felsens darauf sich auf dem Boden auf ihn zu bewegte, mit all den Zwergen darunter, die sich abmühten, sie zu Alex zu tragen. Alex beugte sich hinunter und nahm die Fahne entgegen. „Ich danke euch allen so sehr, ich werde euch niemals vergessen und werde diese Fahne für immer aufbewahren. Ich hoffe, ihr findet einen schönen Ort.“
Die Zwerge winkten und rannten zurück auf den Felsen, und während Alex sie beobachtete, verwandelte sich der Felsen wieder in das magische Schiff und das Gras ins Meer. Alex stand winkend da, bis das Schiff nur noch ein kleiner Fleck auf dem Meer war. Dann rannte er todmüde zurück über die Felder und in sein Bett. Doch bevor er einschlief, vergewisserte er sich, dass er die Fahne sicher unter seinem Kissen verstaut hatte, wo niemand sie sehen konnte. Die Zwerge waren jetzt in Sicherheit, und morgen musste er nach Hause zurück, aber er würde seine kleinen Freunde und den magischen Felsen niemals vergessen, und er hatte sogar noch die magische Fahne. Alex fiel in tiefen Schlaf, und das nächste, woran er sich erinnern konnte, war, dass seine Mutter ihn rief.
„Alex, Alex, wach auf, es ist Zeit, nach Hause zu fahren, ich dachte, du bist schon fertig.“ Alex sprang aus dem Bett, er fühlte sich noch immer sehr schläfrig. Er war ja nicht besonders lange im Bett gewesen, aber das würde er seiner Mutter nicht erzählen. Als Allererstes schaute er unter sein Kissen, um nachzusehen, ob die Fahne noch da war. Er dachte, dass sein Abenteuer mit den Zwergen vielleicht nur ein Traum gewesen war, aber als er die Fahne sah, wusste er, dass es wirklich alles passiert war. Er faltete sie sorgfältig zusammen und steckte sie in seine Hosentasche. Dann ging er zum Frühstücken nach unten. „Alex, was ist denn bloß los mir dir heute Morgen, geht es dir nicht gut?“ fragte seine Mutter. Sie war es nicht gewöhnt, dass er so schweigsam war. „Es geht mir gut“, sagte Alex. „Ich denke bloß über etwas nach.“ „Nun los, beeil dich und iss dein Frühstück, wir müssen zurück nach Hause“, sagte seine Mutter und ging in die Küche, um mit Alex’ Oma zu sprechen.
Oh ja, Alex hatte sehr viel zum Nachdenken. Er wusste, dass er seine kleinen Freunde nie mehr wiedersehen würde, aber zumindest waren sie jetzt in Sicherheit, da sie auf dem magischen Felsen davongesegelt waren. Er packte seine Sachen, verabschiedete sich von seiner Oma und stieg ins Auto. Als das Auto am Wellental vorbeikam, blickte er in Richtung der Zäune und den großen Bulldozern, die alle für die Arbeit am nächsten Tag aufgereiht da standen. Plötzlich breitete sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht aus. Was für einen Schreck würden die Bauarbeiter bekommen, wenn sie die Umzäunung wegnahmen und der große Felsen einfach verschwunden war. Sie würden nicht verstehen, was geschehen war.
Am nächsten Tag kamen auch schon die Bauarbeiter, um mit der Arbeit zu beginnen. Als Erstes mussten sie den Zaun entfernen und den großen Felsen in die Luft sprengen, damit sie das Gelände räumen konnten, um neue Häuser darauf zu bauen. Die Bauarbeiter kletterten in die Bulldozer, bereit, mit der Arbeit anzufangen, aber als die Zäune umgerissen wurden, war statt des großen Felsens nur noch ein riesiges Loch vorhanden. Sie kletterten aus den Bulldozern und betrachteten das riesige Loch. Wohin war denn der Felsen verschwunden? Wer konnte ihn bloß ausgegraben haben? Sie wussten, dass der Felsen noch zwei Tage vorher dort gestanden hatte, und jetzt war er einfach weg. Wie konnte ein riesiger Felsen wie dieser einfach so verschwinden? Sie kratzten sich am Kopf und versuchten, das Rätsel des verschwundenen Felsens zu lösen. Aber natürlich kannten sie die Antwort nicht. Niemand kannte sie, und niemand würde sie jemals kennen. Nur Alex wusste, wohin der große Felsen und die Zwerge verschwunden waren. Und auch wir kennen jetzt das Geheimnis, aber wir werden es nicht verraten. . |