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Opa Grummel (1) Trifft Max den Maulwurf



Heute war ein Tag, an dem Opa Grummel rundum zufrieden war. Ja, er war sogar so gut zufrieden, dass er den ganzen Morgen noch nicht ein einziges Mal gegrummelt hatte – und das war höchst ungewöhnlich. Normalerweise grummelte Opa Grummel nämlich über alles. Er grummelte, wenn das Telefon klingelte, er grummelte, wenn der Briefträger etwas zu spät kam, er grummelte, wenn Bode der Hund bellte, er grummelte, wenn der Zeitungsjunge das Gartentor offen ließ, er grummelte übers Wetter und er grummelte sogar, wenn er den Fernseher aus dem Nachbarhaus hören konnte. Ja, ihr habt richtig gehört, Opa Grummel grummelte über schlicht weg alles. Eigentlich war er nur dann zufrieden, wenn er grummeln konnte.

Nun gab es dabei aber ein Problem, je mehr Opa Grummel grummelte, desto mehr ärgerte er sich. Und wenn er sich zu sehr ärgerte, konnte das gefährlich werden für Opa Grummel. Der Arzt hatte ihm nämlich gesagt, zu viel Ärger könne ihn sehr krank machen. Opa Grummels Ehefrau, Oma Sorglos, war daher ständig in großer Sorge um Opa Grummel. Sie wusste, dass er ständig herumgrummelte und befürchtete, dass er sich eines Tages so sehr ärgern könnte, dass er ins Krankenhaus müsste. Also schmiedete sie einen Plan. Sie beschloss Opa Grummel ein kleines Glöckchen um seinen Hals zu hängen, das klingeln würde, sobald er sich ärgerte und vor Wut zu beben begann. Oma Sorglos würde dann sobald das Glöckchen schellt wissen, dass sie etwas unternehmen musste um Opa Grummel abzukühlen. Und was wäre da besser geeignet, als einen großen Eimer mit kaltem Wasser über seinen Kopf zu schütten!

Heute jedoch war alles anders. Opa Grummel hatte noch kein einziges Mal gegrummelt, denn er hatte sich eine hübsche kleine Terrasse am Ende seines Gartens gebaut. Es war ein hartes Stück Arbeit gewesen, aber nun hatte Opa Grummel einen Platz, wo er gemütlich in der Sonne sitzen und seine Zeitung lesen konnte, ohne dass ihn irgendjemand stören würde. Er schnappte sich also die Zeitung, setzte seinen Hut auf und ging hinunter in den Garten. Hier stand er zunächst eine Weile und schaute seine wunderschöne, neue Terrasse an. Er war so glücklich, dass er den ganzen Morgen über vergessen hatte zu grummeln. Er holte sich einen Stuhl aus der Gartenhütte und setzte sich hin. „Wundervoll,“ dachte er „jetzt habe ich meine Ruhe und muss mich über nichts und niemanden mehr ärgern.“ Opa Grummel begann seine Zeitung zu lesen, aber es dauerte gar nicht lange, da wurden seine Augen schwer und Opa Grummel schlief ein, tief und fest.

Nun gab es da aber etwas, was Opa Grummel nicht wusste, und zwar lebte unter der Erde direkt hinter der Gartenhütte ein kleiner Maulwurf namens Max. Max wohnte dort bereits seit einiger Zeit und er kam jede Nacht aus seinem Tunnel gekrochen, um in Opa Grummels Garten ein wenig herumzutoben. Max war gar nicht erfreut, dass Opa Grummel harte Pflastersteine vor die Hütte gelegt hatte, nur um dort eine Terrasse zu haben. Denn für Max wurde es dadurch sehr schwierig seinen Weg aus dem Tunnel heraus zu finden und manchmal stieß er sich bei dem Versuch herauszukriechen sogar seinen Kopf an den Steinen. Max der Maulwurf beschloss also, dass es an der Zeit war durch Opa Grummels Terrasse hindurch ein Loch nach oben zu graben. Und so begann er zu schaufeln.

Er grub und schaufelte mit seinen Krallen so schnell er konnte einen Tunnel, drückte immer wieder mit seinen Pfoten die Erde beiseite, bis er gegen die Terrassensteine stieß. Er ahnte natürlich nicht, dass sich der Stuhl, auf dem Opa Grummel saß, genau über dem Stein befand, den er gerade hoch zu drücken versuchte. Opa Grummel indes schlummerte wie ein Baby und merkte nicht, wie sich der Boden unter seinem Stuhl bewegte. Max der Maulwurf aber grub und drückte die Erde immer weiter, er grub und drückte, grub und drückte, bis sich plötzlich der Stein bewegte und nach oben erhob, und mit ihm, auf seinem Stuhl sitzend, Opa Grummel!

Immer höher erhob sich der Stuhl und mit ihm der immer noch schlafende Opa Grummel. Max lugte mit seinem Kopf aus der Erde, sah, was passiert war und begann zu lachen. Nun, das Bild von einem schlafenden Opa Grummel hoch oben auf einem riesigen Maulwurfshügel war wirklich das komischste, was er je gesehen hatte. Gerade in dem Augenblick jedoch erwachte Opa Grummel. Sein Stuhl war hoch über der Erde und seine Füße baumelten in der Luft. Auf der Stelle begann Opa Grummel mit dem, was er üblicherweise tat, er begann zu grummeln, und dann sah er, wie Max der Maulwurf ihn anlachte. „Das reicht“, dachte er für sich, „ich werde diesen Maulwurf schon kriegen.“ Er vergaß vollkommen, dass er so hoch oben saß und schlug mit der Hand nach Max. Das war aber ein großer Fehler, denn jetzt kippte der Stuhl und Opa Grummel fiel Kopf über in den schmutzigen Erdhaufen, den der Maulwurf gegraben hatte. Opa Grummel richtete sich auf und sah, was Max mit seiner schönen neuen Terrasse angerichtet hatte und er ärgerte sich noch mehr, so sehr, dass er vor Wut zu beben begann. Durch das Beben begann natürlich das kleine Glöckchen an seinem Hals zu bimmeln, und er wollte gerade losstürmen um Max den Maulwurf zu fangen, als er – PLATSCH! – mit einem Eimer voll kaltem Wasser überschüttet wurde. Als ihn das kalte Wasser traf, erschrak Opa Grummel so sehr, dass er für den Bruchteil einer Sekunde Max den Maulwurf vollkommen vergaß, und als er sich umdrehte, war der kleine Maulwurf verschwunden.

“Schau, was du angerichtet hast, du verrücktes Weib”, rief Opa Grummel, „warum konntest du nicht warten, bis ich den Maulwurf gefangen habe?“ „Tut mir leid“, sagte Oma Sorglos „aber ich hatte Angst, du könntest dich selbst vor Wut krank machen“. Dann ging Oma Sorglos zurück ins Haus.  Armer Opa Grummel! Er war klitschenass und vollkommen mit Schmutz bedeckt, und Max der Maulwurf war zurück in seinen Tunnel verschwunden. „Morgen“, sagte Opa Grummel zu sich, „egal was passiert, morgen werde ich diesen verflixten Maulwurf fangen“.

Am nächsten Morgen stand Opa Grummel in aller Frühe auf und hatte bereits einen Plan. Er wollte Max dem Maulwurf eine Falle stellen. Er holte seinen Spaten und begann dort, wo er Max’ Tunnel vermutete, ein tiefes Loch zu graben. Nach einer Weile stieß er tatsächlich auf den Tunnel, durch den Max in seinen Garten gelangt war. Er platzierte die Falle genau am Ende des Ganges und begann auf Max zu warten.

Opa Grummel wartete den ganzen Tag lang und grummelte dabei die ganze Zeit vor sich hin. Er begann schon zu glauben, Max würde gar nicht mehr auftauchen, als er plötzlich – was war das? – ein Geräusch aus dem Inneren des Tunnels vernahm. Und richtig, es war Max, der sich seinen Weg durch den Tunnel nach oben bahnte. Er hatte beschlossen sich noch ein wenig in Opa Grummels Garten vergnügen. Aber vor lauter Aufregung und Vorfreude bemerkte der kleine Maulwurf nicht die Falle, die Opa Grummel ihm gestellt hatte. Und da passierte es auch schon. Max trat in die Falle, das Türchen schnappte hinter ihm zu, und er war gefangen! Opa Grummel hob die Falle vom Boden auf, schaute auf Max den Maulwurf und sagte: „Jetzt werde ich dich von hier fort bringen, so dass du nie wieder in meinen Garten zurückkommen kannst.“ 

Opa Grummel trug Max über die Felder, bis er meinte, die Entfernung zu seinem Garten wäre groß genug. Dann öffnete er die Falle und ließ ihn frei. Max rannte so schnell er konnte über die Felder davon. Opa Grummel aber lächelte und dachte, „So schnell werden wir den nicht wiedersehen.“ Dabei gab es jedoch etwas, was Opa Grummel nicht wusste: Max der Maulwurf war sehr schlau und er würde alles daran setzen wieder seinen Weg in Opa Grummels Garten zurückzufinden. Opa Grummel hatte Max also bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen. Dies war erst der Anfang von vielen weiteren Abenteuern, die Max der Maulwurf in Opa Grummels Garten erleben würde...